Katzenfutter im Wandel der Zeit

Die Katze ist heute der Deutschen liebstes Haustier. Das bestätigt der Umsatz 2016 für Katzenfutter und Leckerli mit rund 1,6 Milliarden Euro in Deutschland. Die industrielle Produktion von Katzennahrung begann ungefähr in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damit startete ein spannender Geschäftszweig in einer stetig wachsenden Branche, dessen Entwicklung noch nicht beendet ist.

Die Symbiose von Katzen und Menschen

Vor einigen tausend Jahren erkannten die Katzen, dass die Nähe zu den Menschen einige Vorteile hat. Der größte Vorteil waren natürlich die Mäuse und Ratten, die sich in den Getreidespeichern ihrerseits im Paradies wähnten. Die Menschen begriffen sehr schnell die große Hilfe der Katzen im Kampf um die Getreidebestände. Archäologische Funde lassen den Schluss zu, dass die Menschen die Nähe der Katzen auch aus weniger praktischen Gründen angenehm fanden. Von den alten Ägyptern ist bekannt, dass sie die Katzen verehrten. Dazu belegen viele Sprichwörter und Zitate von historischen Persönlichkeiten aus allen Epochen, dass die Menschen schon sehr früh ihre Liebe zu den Katzen entdeckten und sich Gedanken über ihr Wohlbefinden machten.

Angebot oder Nachfrage, was kam zuerst?

Neben ihren selbst erjagten Beutetieren bekamen die Katzen Küchenabfälle oder gekochtes Pferdefleisch zu essen. Denn es wuchs die Erkenntnis, dass eine gesättigte Katze mehr Mäuse jagt und tötet, als eine, die ausschließlich von ihren Jagderfolgen leben muss. In den Überlieferungen aus dieser Zeit finden sich folgende Ernährungsempfehlungen: Haferbrei und Milch, Weißbrot in warmer Milch mit etwas Zucker, gekochte Lunge, Pferdefleisch oder Fisch.

Mit dem Zeitalter der Industrialisierung und der Verstädterung ab Mitte des 18. Jahrhunderts kam es bei den Menschen zu einem Wechsel von der bis dato üblichen Selbstversorgung hin zu einer Fremdversorgung. Da ist die rund 100 Jahre später beginnende industrielle Fertigung von Katzenfutter nur eine logische Folge. James Spratt, ein in England lebender Elektriker aus Ohio, gilt als erster Produzent von Hundekeksen. Später ergänzte er seine Produktion auch um Katzenfutter. In seiner Werbung 1876 soll er auf die ungesunde Fütterung mit gekochtem Pferdefleisch und auf die gesundheitlichen Qualitäten seines Futters hingewiesen haben. Zu dieser Zeit wurde in London gekochtes Pferdefleisch von Wanderhändlern (Cats‘ Meat Men) vom Handkarren verkauft.

Doch was war nun zuerst da, das Angebot von Katzenfutter oder die Nachfrage nach einem solchen? Wie so oft wird es eine Mischform gewesen sein. Das Angebot bestimmt die Nachfrage und die Nachfrage steigert das Angebot. Wenn man sich die Werbung von James Spratt anschaut, wird eines deutlich: Die Inhalte und Aussagen der Werbebotschaften unterscheiden sich von den heutigen kaum. Das bedeutet, dass es für die Zielgruppe schon immer am wichtigsten war, ihre Katzen gut und gesund ernährt zu wissen.

Die weitere Entwicklung von Katzennahrung

Ende 1950 wurde das erste Dosenfutter für Katzen auf den Markt gebracht, rund 20 Jahre später folgte das erste Trockenfutter für Katzen. Ab den 70er Jahren erschienen erstmals spezielle Diätfuttermittel für Katzen, die bei bestimmten Erkrankungen gefüttert werden sollten. Immer mehr Firmen stellten scheinbar immer mehr unterschiedliche Katzenfuttermittel her. Gab es anfangs nur ein paar verschiedene Sorten, wurden nun die Katzen in Bedürfnisgruppen eingeteilt. Es folgten Futter für die einzelnen Lebensphasen, also für Kitten, für adulte Katzen und für Katzensenioren. Danach entwickelte sich die Erkenntnis, dass Ernährungs- und Haltungsfehler zu bestimmten Erkrankungen wie Übergewicht, Nierenschäden und anderem führen können. Das führte zu weiteren Spezialfuttermitteln mit weniger Kalorien oder einem niedrigem Proteingehalt und anderen Rezepturanpassungen. Das gilt natürlich gleichermaßen für den Leckerli-Bereich. Immer neue Varianten mit den unterschiedlichsten Texturen und Funktionsbeschreibungen wurden auf den Markt geworfen. Ein weiterer Trend kam mit dem sogenannten Functional Food auf, einem Futter, das mittels bestimmter funktioneller Zutaten die Gesundheit positiv beeinflussen oder gar Krankheitsrisiken reduzieren soll.

Im Grunde entwickelt sich der Katzennahrungsbereich im Hinblick auf die Ansprüche der Kunden und die Trends in der Ernährung parallel zu der Lebensmittelindustrie für die Menschen. Mit der Zunahme der technischen Möglichkeiten in der Produktion wuchs die Vielfalt der Futtermittel. Alle jeweils neuen Zusatzstoffe, die längere Haltbarkeit, mehr Aromatik oder schlicht eine für den Menschen appetitlichere Optik versprachen, wurden verwendet. Darauf folgte beim Menschen für sich selbst und seine Haustiere der Wunsch zurück nach mehr Natürlichkeit in der Nahrungskette. Die artgerechten Bedürfnisse der Katzen wurden mehr in den Fokus gestellt, das Bewusstsein hierzu lieferte die neuesten Erkenntnisse der Ernährungswissenschaften.

Dank dem Internet wurde es für die Verbraucher einfacher sich selbst ausführlich zu informieren und in Gruppen ihre Erfahrungen auszutauschen. Es entwickelte sich aus den bisherigen Katzenhaltern eine neue Gruppe von aufgeklärten Katzenfreunden. Sie wollen ihre Katzen naturnah füttern und artgerecht halten. Dazu kommen noch die Anhänger der BARF-Fütterung und die Vegetarier, die ihre Katzen, die nachweislich Fleischfresser sind, adäquat vegetarisch ernähren wollen. Ein weiterer Punkt, der mit der eigenverantwortlichen Kundschaft als Zielgruppe zunehmend wichtiger wird, sind ihre Fragen nach der Qualität und Herkunft der verwendeten Rohstoffe und dem Herstellungsprozess. „Made in Germany“ oder „BIO“ gewinnt auch in der Futtermittelproduktion eine stetig wachsende Gewichtung.

Der milliardenschwere Markt der Katzenfuttermittel hat sich, wie beschrieben, in den letzten Jahrzehnten rasant verändert. Immer mehr Futtermittelhersteller buhlen mit neuen Konzepten und Trends um den Ausbau ihrer Kundschaft. Die Kunden dagegen werden immer interessierter und aufgeklärter in ihren Vorstellungen, was für ihre Katzen das Beste ist. Damit stellt sich wieder die Frage: Bestimmt die Nachfrage das Angebot oder das Angebot die Nachfrage? Die Antwort ist die gleiche wie im 19. Jahrhundert, es ist eine Mischform von beiden. Die Industrie entwickelt Neuheiten um ihren Kundenstamm weiter auszubauen und die Kunden fordern eine stetige Anpassung an ihre Wünsche.

Welche Bedeutung hat das für den Fachhandel?

Kein Fachhandel ist in der Lage tatsächliche alle Marken und Sorten, die es gibt, seinen Kunden anzubieten. Deswegen wird, neben der Kenntnis über die eigene Zielgruppe, die Beratungskompetenz des Fachhandels immer wichtiger. Denn der Kundenwunsch ist über die Jahrhunderte hinweg der gleiche geblieben: die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Katze. Der Mensch will seine Katzen verwöhnen, seine Liebe und Fürsorge über die richtige Ernährung und katzengerechtes Zubehör ausleben. Ist die Katze gesund und zufrieden, ist ihr Halter glücklich. Wenn also die Katzenhalter sich fachlich gut beraten fühlen und in ihrer Liebe zu den Katzen verstanden wissen, kommen sie immer wieder. Aus diesem Grund bieten einige Futtermittelhersteller inzwischen als Service für den Kunden selbst und auch für den beratenden Fachhandel unterstützende Informationen an. Ein Qualitätskriterium dieser angebotenen Informationen ist, wenn sich diese nicht nur auf das eigene Sortiment und die dazugehörigen Marketingaussagen beschränken. Je umfassender und allgemeiner der Überblick über die neuesten Erkenntnisse der tierischen Ernährungswissenschaften ist, desto größer ist der Nutzen in der Beratung der Verbraucher.

Ein Fazit

In jeder Zeit seit Beginn der industriellen Produktion von Katzennahrung wurde der aktuelle Kenntnisstand zur Ernährung, die technischen Möglichkeiten und die Wünsche der kaufkräftigen Kundschaft berücksichtigt. Das wird sich auch in der Zukunft nicht ändern. Doch ein Faktor ist in dieser ganzen Geschichte immer gleich geblieben: die Katze. Sie ist ein Meisterwerk der Evolution, hat sich selbst domestiziert und bereichert das Leben von Millionen von Menschen. Die Zielgruppe sind beide, die Katze und ihr Mensch.

(c) Katja Tuszynski 2018 – erschienen im Magazin „Das Branchenforum“ 2018