Sind Katzen wirklich Einzelgänger?

Seit Jahrhunderten hält sich in unserem Kulturraum hartnäckig der Mythos Katzen seien Einzelgänger. Doch der ist falsch. Katzen sind Einzeljäger, aber keine Einzelgänger. Das ist ein bedeutungsschwerer Unterschied.

Wie ist dieser Mythos entstanden?

Die folgende Erklärung dafür kann natürlich nicht belegt werden. Sie basiert auf Beobachtungen des menschlichen Verhaltens, Erfahrungswissen und kausalen Folgerungen daraus. Das Verhalten der Katzen ist für uns bis heute noch oft geheimnisvoll. Der Mensch an sich hat aber gerne eine Erklärung. Obendrein vermenschlichen wir gerne tierische Verhaltensweisen, die wir nicht verstehen. In der Folge führt das zu Fehlinterpretationen von katzentypischen Verhaltensweisen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Konrad Lorenz erregte als Gänsevater weltweites Aufsehen. Er gilt durch seine wegweisenden verhaltensbiologischen Studien der Graugänse als Mitbegründer der Ethologie. Paul Leyhausen arbeitete am Max-Planck-Institut mit Konrad Lorenz zusammen. Er wurde zwar nicht ganz so berühmt wie sein Kollege, doch seine über 20 Jahre langen Beobachtungen von Katzen aller Art waren bahnbrechend. Seine Forschungsarbeit prägte maßgeblich die moderne Gestaltung von Katzengehegen in den zoologischen Gärten. Sein populärwissenschaftliches Buch „Katzenseele“ wird nach wie vor von vielen Hauskatzenhaltern gelesen. Die Tatsache, dass Hauskatzen keine Einzelgänger sind, ist eine seiner wichtigsten Erkenntnisse.

Inzwischen ist die Ethologie ein anerkannter und wichtiger Forschungszweig, deren Erkenntnisse auch auf die Gestaltung von Haustierzubehör Einfluss nimmt. Anerkannte Fachleute, wie die österreichische Tierärztin und Verhaltensmedizinerin Sabine Schroll, haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit dem falschen Mythos „Katzen sind Einzelgänger“ aufzuräumen. Von ihr gibt es inzwischen sieben empfehlenswerte Bücher, die gezielt für die Zielgruppe Katzenfreunde geschrieben wurden. Sie beschäftigen sich alle mit der artgerechten Katzenhaltung, zu der es gehört, dass Katzen die Gesellschaft von Katzen brauchen.

Die Katze ist der Deutschen liebstes Haustier

Im aktuellen Untersuchungsbericht des IVH und des ZZF vom 14. April 2018 finden sich folgende Zahlenwerte:

  • 13,7 Millionen Katzen leben als Heimtiere in
  • 9,2 Millionen Haushalten,
  • das sind 22 % aller Haushalte in Deutschland
  • und durchschnittlich 1,5 Katzen pro Haushalt.

Die folgende Grafik aus dem Untersuchungsbericht zeigt anschaulich, dass mit 62 % nach wie vor über die Hälfte aller Katzen allein, also ohne Katzengesellschaft leben.

Quelle: Untersuchungsbericht | 14. April 2018 Zahl der Heimtiere in Deutschland vom IVH und ZZF (Link zur gesamten Studie)

Natürlich gibt es hinsichtlich der Haltungsbedingungen noch Differenzierungen. Eine wesentliche liegt in der Haltungsart, ob die Katze draußen anderen Katzen begegnen kann oder den ganzen Tag in der Wohnung bleibt. Wobei der Freigang nicht automatisch mit artgerecht gleichzusetzen ist. Doch wenn eine Einzelkatze eines voll berufstätigen Menschen den ganzen Tag alleine ist, dann ist das weit entfernt von einer katzengerechten Haltung.

Die Zahlen des Untersuchungsberichts zeigen aber auch ganz klar, dass in einem Land wie Deutschland niemals alle Katzen in einem Paradies ähnlichen Revier leben können. Einen für Katzen wirklich gefahrlosen, unbegrenzten Freigang gibt es nur in vereinzelten Gegenden. Viele Katzenfreunde haben keinen Garten (34 %) oder leben in Mittelstädten (27 %) oder Großstädten (28 %). Deswegen ist es die Pflicht jedes Katzenhalters, sich zu überlegen, wie er Katzen einen adäquaten Ausgleich bieten kann. Ein wesentlicher Punkt dabei ist: keine Einzelhaltung von Katzen!

Unterstützung durch Zubehörproduzenten

Die jährlichen Branchenstatistiken zeigen, dass die Heimtierbranche weiterwächst. Im letzten Jahr wurden im Katzenbereich im stationären Handel folgende Umsätze erzielt:

  • Katzenfutter + Leckerli: 1.583 Millionen Euro
  • Katzenstreu: 286 Millionen Euro
  • Katzenzubehör: 198 Millionen Euro

Den größten Zuwachs gab es mit 3,1 % beim Zubehör. Dazu kommt noch ergänzend der Umsatz im Onlinehandel, der für die gesamte Heimtierbranche 2017 rund 580 Millionen Euro betrug.

Sinnvolles und von Katzen wirklich genutztes Zubehör ist für den Katzenhalter natürlich am interessantesten. Mit Hilfe dieser Artikel kann er bei seinen vierbeinigen Mitbewohnern für die katzengerechte Gestaltung ihres Reviers und die erforderliche Abwechslung in ihrem Alltag sorgen.

Beratungskompetenz im stationären Fachhandel

Ein Kunde, der sich gut beraten und verstanden fühlt, kommt immer wieder. Da es sich jedoch um Produkte für Lebewesen handelt, gehen im Idealfall Beratung und Aufklärung Hand in Hand. Denn der Wissensstand über die Bedürfnisse von Katzen ist nicht bei allen Kunden gleich hoch.

Falsch wäre es, jedem Kunden, der nur eine Katze hat, in jedem Fall zu einer weiteren Katze zu raten. Denn Katzen, die schon jahrelang alleine gelebt haben, sind inzwischen leider durch diese Haltung oftmals zum tatsächlichen Einzelgänger geworden. Dazu kommt, dass die Zusammenführung von zwei einander fremden Katzen durchaus nicht in wenigen Stunden erledigt ist.

Das Ziel ist eher dem Kunden mehr Wissen über sein geliebtes Haustier mitzugeben und so für ein wachsendes Bewusstsein für die Bedürfnisse seiner Katze/n zu sorgen. Die Empfehlung zur Mehrkatzenhaltung gehört dazu. Diese wird am besten mit einem guten Sachbuch zum Thema oder dem Hinweis auf die Unterstützung seitens des Tierschutzes oder des Züchters verbunden.

In der Heimtierbranche gilt es immer beiden Zielgruppen, dem Menschen und seiner Katzen, gerecht zu werden. Wenn aber durch eine verantwortungsvolle Beratungskompetenz im Laufe der Jahre die Zahl der Einzelkatzenaushalte stetig sinkt, vergrößert sich automatisch eine der beiden Zielgruppen: die Katzen.

(c) Katja Tuszynski 2018 – erschienen im Magazin „zza. – zoologischer zentralanzeiger“ 2018